Der schlafende Riese: Was passiert, wenn Yellowstone erwacht?
Stell dir vor, du stehst mitten im wunderschönen Yellowstone-Nationalpark in den USA. Um dich herum blubbern heiße Quellen in den schillerndsten Farben, Geysire wie der berühmte ‘Old Faithful’ schießen kochendes Wasser meterhoch in die Luft, und friedliche Bisons grasen auf weiten Wiesen. Es wirkt wie ein Paradies. Doch unter deinen Füßen, tief in der Erde, lauert ein Monster von unvorstellbarem Ausmaß: ein Supervulkan. Während normale Vulkane wie der Ätna oder der Vesuv kegelförmige Berge sind, ist der Yellowstone-Vulkan so groß, dass man ihn aus der Luft kaum als solchen erkennt. Er ist eine Caldera – ein riesiger Einsturzkrater, der fast den halben Nationalpark einnimmt.
Aber was genau macht einen Vulkan zum ‘Supervulkan’? Wissenschaftler nutzen den Vulkanexplosivitätsindex (VEI), um die Stärke von Ausbrüchen zu messen. Ein Supervulkan erreicht auf dieser Skala die höchste Stufe: 8. Das bedeutet, dass bei einer Eruption mehr als 1.000 Kubikkilometer Material in die Luft geschleudert werden. Zum Vergleich: Das ist tausendmal mehr als beim verheerenden Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980. Unter dem Yellowstone-Park befindet sich eine gigantische Magmakammer, die etwa 80 Kilometer lang und 40 Kilometer breit ist – gefüllt mit einer zähflüssigen, glutheißen Gesteinsschmelze.
Was würde also passieren, wenn dieser Riese heute ausbrechen würde? Zuerst würden uns die Messgeräte der Geologen warnen. Tausende kleine Erdbeben würden die Region erschüttern, und der Boden würde sich wie ein riesiger Hefeteig aufblähen, weil der Druck des Magmas von unten steigt. Wenn die Decke der Magmakammer schließlich nachgibt, käme es zu einer Explosion, die man auf der ganzen Welt hören könnte. In der unmittelbaren Umgebung gäbe es kein Entkommen. Sogenannte pyroklastische Ströme – Lawinen aus glühend heißer Asche, Gas und Gestein, die bis zu 800 Grad heiß sind – würden mit hunderten Kilometern pro Stunde alles im Umkreis von 100 Kilometern vernichten.
Doch das eigentliche Problem ist die Asche. Ein Ausbruch des Yellowstone würde riesige Mengen an feiner, glasartiger Asche in die Stratosphäre schleudern. In den USA würde eine zentimeter- bis meterdicke Schicht das Land bedecken, Häuser zum Einsturz bringen, Stromleitungen kappen und die Landwirtschaft komplett lahmlegen. Flugverkehr wäre unmöglich, da die feine Asche die Triebwerke von Flugzeugen zum Schmelzen bringen würde. Doch die Katastrophe bliebe nicht auf Amerika beschränkt. Die Aschewolke würde sich wie ein dunkler Schleier um den gesamten Planeten legen.
Das Sonnenlicht käme kaum noch durch diesen Schleier hindurch. Die Folge wäre ein ‘vulkanischer Winter’. Die Temperaturen auf der Erde würden schlagartig um mehrere Grad sinken, und das für viele Jahre. Ernten würden weltweit ausfallen, was zu massiven Hungersnöten führen könnte. Es wäre eine globale Krise, die das Leben der Menschheit grundlegend verändern würde.
Aber keine Panik! Auch wenn das wie ein Szenario aus einem Hollywood-Film klingt, geben Geologen Entwarnung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Yellowstone in den nächsten hundert oder tausend Jahren ausbricht, ist extrem gering. Der Vulkan wird rund um die Uhr mit Satelliten, Seismografen und GPS-Sensoren überwacht. Jede kleinste Regung wird registriert. Aktuell gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Magmakammer kurz vor einer Explosion steht. Der schlafende Riese macht also wahrscheinlich nur das, was er seit 640.000 Jahren am besten kann: tief unter der Erde schlummern und uns mit seinen faszinierenden Geysiren zum Staunen bringen.
Was ist der Hauptunterschied in der Form zwischen einem normalen Vulkan und einem Supervulkan wie Yellowstone?
Welche Stufe auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) erreicht ein Supervulkan?
Wie groß ist die Magmakammer unter dem Yellowstone-Nationalpark ungefähr?
Was ist ein pyroklastischer Strom?
Warum können Flugzeuge während einer Aschewolke nicht fliegen?
Was versteht man unter einem ‘vulkanischen Winter’?
Wie wirkt sich die Vulkanasche auf Gebäude aus?
Wann fand der letzte große Ausbruch des Yellowstone etwa statt?
Mit welchen Instrumenten überwachen Forscher den Vulkan heute?
Wie wahrscheinlich ist ein Ausbruch in naher Zukunft laut den Wissenschaftlern?
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