Game Over? Wie Atari die Gaming-Welt erschuf – und fast zerstörte
Stell dir eine Welt vor, in der es keine PlayStation, keine Xbox und keine Nintendo Switch gibt. Eine Welt, in der das Wort ‘Gaming’ noch gar nicht existiert. Genau so sah es Anfang der 1970er Jahre aus. Doch dann kamen zwei Männer mit einer verrückten Idee: Nolan Bushnell und Ted Dabney. Im Jahr 1972 gründeten sie im sonnigen Kalifornien eine firma, die alles verändern sollte: Atari. Ihr Ziel? Spiele aus den Laboren von Universitäten direkt in die Wohnzimmer und Kneipen der Menschen zu bringen.
Ihr erster Geniestreich hieß ‘Pong’. Das Spiel war simpel: Zwei weiße Striche (die Schläger) und ein quadratischer Punkt (der Ball) auf einem schwarzen Bildschirm. Es war virtuelles Tischtennis. Atari stellte den allerersten Pong-Automaten in einer örtlichen Kneipe namens ‘Andy Capps Tavern’ auf. Schon am nächsten Tag rief der Besitzer panisch an: Die Maschine sei kaputt! Doch als die Atari-Entwickler nachsahen, erlebten sie eine Überraschung. Der Automat war nicht defekt – er war einfach so vollgestopft mit Vierteldollar-Münzen, dass der Münzschlitz verstopft war! Die Menschen standen Schlange, um ihr Geld in diese magische Kiste zu werfen. Der Gaming-Hype war geboren.
Der absolute Höhepunkt folgte 1977 mit der Veröffentlichung des ‘Atari 2600’. Diese Konsole war eine Revolution. Statt nur eines fest eingebauten Spiels konnte man nun kleine Plastikkassetten – sogenannte Cartridges – hineinstecken und jedes Mal ein völlig neues Spiel spielen. Plötzlich flogen die Jugendlichen in ‘Space Invaders’ durchs All, jagten Pixel-Monster in ‘Pac-Man’ oder steuerten Panzer. Atari wurde zur am schnellsten wachsenden Firma in der Geschichte der USA. In den Büros herrschte eine legendäre Stimmung: Die Programmierer trugen T-Shirts und Flip-Flops, es gab laute Musik, wilde Partys und sogar Meetings in Whirlpools. Atari war der coolste Arbeitsplatz der Welt und machte Milliarden Dollar Umsatz.
Doch wer hoch fliegt, kann tief fallen. Und Ataris Fall war spektakulär. Der Erfolg stieg den Chefs zu Kopf. Sie glaubten, dass die Menschen absolut alles kaufen würden, solange nur das Atari-Logo darauf klebte. Unmengen von schlechten, lieblos programmierten Spielen überschwemmten den Markt. Das Vertrauen der Spieler schwand. Doch zwei gigantische Katastrophen brachten das Fass endgültig zum Überlaufen.
Zuerst war da die Heimversion des extrem beliebten Arcade-Spiels ‘Pac-Man’. Atari produzierte stolze 12 Millionen Spielekassetten – obwohl sie damals nur 10 Millionen Konsolen verkauft hatten! Sie dachten ernsthaft, die Leute würden sich extra für dieses Spiel eine Konsole kaufen. Doch das Spiel war eine herbe Enttäuschung: Die Grafik war flimmerig, der Sound schrecklich und es hatte kaum Ähnlichkeit mit dem Original. Millionen Kassetten blieben in den Regalen liegen.
Der absolute Todesstoß war jedoch ‘E.T. the Extra-Terrestrial’. Passend zum mega-erfolgreichen Kinofilm von Steven Spielberg sollte ein Videospiel zu Weihnachten 1982 erscheinen. Der Haken? Atari sicherte sich die Rechte viel zu spät. Dem Programmierer Howard Scott Warshaw blieben winzige fünf Wochen Zeit, um das Spiel komplett zu entwickeln – normalerweise dauerte so etwas damals mindestens ein halbes Jahr. Das Ergebnis war eine spielerische Katastrophe. Der pixelige E.T. fiel ständig in Löcher, aus denen er kaum herauskam. Es war praktisch unspielbar und gilt heute als das schlechteste Videospiel aller Zeiten.
Atari blieb auf Millionen von unverkauften E.T.-Kassetten sitzen. Die Firma verlor Unmengen an Geld. Um die Peinlichkeit zu vertuschen, startete Atari eine geheime Nacht-und-Nebel-Aktion: Sie fuhren dutzende Lastwagen voller unverkaufter Spielekassetten in die Wüste von Alamogordo in New Mexico, kippten sie in eine Grube, walzten sie platt und übergossen sie mit Beton. Jahrzehntelang galt dies als urbane Legende, bis Forscher im Jahr 2014 die Grube öffneten und tatsächlich tausende E.T.-Spiele im Wüstensand fanden.
Im Jahr 1983 brach der gesamte Videospielmarkt in Amerika zusammen – der berüchtigte ‘Video Game Crash’. Atari ging pleite und wurde zerschlagen. Zwar existiert der Name heute noch, doch mit der einstigen Gaming-Supermacht hat die Firma nichts mehr zu tun. Dennoch: Ohne den gigantischen Aufstieg und den dramatischen Fall von Atari gäbe es die heutige Gaming-Kultur nicht. Sie zeigten der Welt, was möglich ist – und gaben nachfolgenden Firmen wie Nintendo eine schmerzhafte, aber wichtige Lektion darüber, wie man es besser macht.
Wer gründete Atari und in welchem Jahr?
Welches einfache Tischtennis-Spiel war Ataris erster großer Verkaufsschlager?
Was war der ungewöhnliche Grund, warum der erste Pong-Spielautomat in einer Kneipe streikte?
Warum war die Konsole Atari 2600 im Vergleich zu älteren Spielsystemen eine echte Revolution?
Wie unterschied sich die Arbeitsatmosphäre bei Atari von der in traditionellen Unternehmen?
Welchen logischen Fehler machte Atari bei der Produktion des Spiels Pac-Man?
Warum hatte der Programmierer des Spiels ‘E.T.’ so extrem wenig Zeit für die Entwicklung?
Was machte Atari mit den Millionen unverkauften Spielekassetten, um sie vor der Öffentlichkeit zu verstecken?
Wie nennt man den großen Zusammenbruch des Videospielmarktes im Jahr 1983?
Was lernten spätere Firmen wie Nintendo aus dem drastischen Scheitern von Atari?
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