Die kosmische Flut: Wie das Wasser auf die Erde kam
S01:E15

Die kosmische Flut: Wie das Wasser auf die Erde kam

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Die kosmische Flut: Wie das Wasser auf die Erde kam

Reisen wir zurück in die Zeit vor 4,6 Milliarden Jahren. Die Geburtsstunde der Erde. Vergessen Sie das friedliche Bild des blauen Planeten aus dem All. Die junge Erde ist eine apokalyptische Hölle. Ein gigantischer Ball aus kochendem Magma, ständig bombardiert von Asteroiden, eingehüllt in giftige Gase. Es ist unvorstellbar heiß. Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt bereits Wasser existiert hätte – es wäre augenblicklich im Vakuum des Alls verdampft. Die Erde war knochentrocken.

Und doch blicken wir heute auf gigantische Ozeane, die zwei Drittel unseres Planeten bedecken. Woher also kam dieses Lebenselixier?

Lange Zeit glaubten Wissenschaftler, die Erde habe ihr Wasser von Anfang an in ihrem Inneren versteckt. Gefangen im glühenden Gestein des Erdmantels. Durch gewaltige Vulkanausbrüche, so die Theorie, wurde dieses Wasser als Wasserdampf in die frühe Atmosphäre gepustet, kühlte ab und regnete ab. Ein schönes Bild: Die Erde, die sich selbst therapiert. Doch Berechnungen zeigen schnell: Das reicht hinten und vorne nicht. Die nackten Zahlen der Geologie sprechen gegen diese “interne Quelle” als alleinigen Retter.

Hier kommt der dramatische Wendepunkt unserer Geschichte ins Spiel – und der größte kosmische Billard-Meistertitel aller Zeiten.

Wir müssen unseren Blick weit nach außen richten, hinter die sogenannte Schneelinie unseres Sonnensystems. Dort, wo es so kalt ist, dass Wasser nur als Eis existiert. In diesem eisigen Exil, weit hinter dem Mars, kreisten Billionen von wasserreichen Asteroiden und Kometen. Sie waren kosmische Wassertanks, vollgepackt mit gefrorenem Nass. Aber wie sollten diese Eisberge zu uns gelangen?

Der Schuldige – oder besser gesagt: unser Retter – war ein Riese. Jupiter. Der größte Planet unseres Systems geriet ins Wandern. Seine enorme Schwerkraft wirkte wie eine kosmische Schleuder. Er wirbelte die Bahnen der fernen Asteroiden komplett durcheinander. Das Resultat war das sogenannte „Große Bombardement“.

Stellen Sie sich diesen apokalyptischen Hagelsturm vor: Über Jahrmillionen stürzten unzählige, kilometergroße Eis-Asteroiden auf die noch junge Erde. Ein ununterbrochener, feuriger Beschuss. Bei jedem Einschlag verdampfte das Eis der Asteroiden explosionsartig. Riesige Dampfwolken hüllten den Planeten ein.

Als das Bombardement nachließ und die Erde langsam abkühlte, geschah das Wunder. Die dichte Dampfatmosphäre kondensierte. Und dann begann der größte Regen aller Zeiten. Es goss nicht stundenlang, nicht tagelang, sondern über Jahrtausende. Sintfluten unvorstellbaren Ausmaßes füllten die tiefen Narben und Krater der Erde. So entstanden die ersten Ur-Ozeane.

Können Sie sich die Dimensionen dieses Ur-Regens vorstellen? Es war kein milder Sommerregen. Es waren apokalyptische Gewitterstürme, bei denen der Himmel schwarz vor Asche und dichtem Dampf war, während unaufhörlich gigantische Blitzkaskaden die Finsternis erhellten. Das kochende Wasser spülte Mineralien und Salze aus den erkaltenden Felsen – der Grundstein für die salzige Chemie unserer heutigen Meere wurde in diesen Jahrtausenden gelegt.

Woher wir das wissen? Detektivarbeit auf atomarer Ebene. Wissenschaftler haben das Wasser auf der Erde mit dem Wasser von Asteroiden verglichen. Sie suchten nach „schwerem Wasser“ – Wasser, das statt normalem Wasserstoff das schwerere Isotop Deuterium enthält. Das Ergebnis ist verblüffend: Das chemische Profil unseres Ozeanwassers gleicht dem der Asteroiden aus dem äußeren Asteroidengürtel fast perfekt.

Das bedeutet: Das Wasser, das Sie heute trinken, mit dem Sie duschen, das durch Ihre Venen fließt, ist im Grunde außerirdischer Herkunft. Es ist das Erbe eines kosmischen Chaos, das vor Milliarden Jahren unseren Planeten bombardierte. Ohne diese gewaltsame, eisige Flut aus dem All gäbe es heute kein Leben. Wir sind, im wahrsten Sinne des Wortes, Kinder des kosmischen Regens.

Und das war „Wissen auf den Punkt“. Mein Name ist euer Host, und bis zum nächsten Mal, wenn wir die großen Rätsel unserer Existenz auf den Punkt bringen.